Bäckerbrief
10/2026

Manuela Lohse

Editorial

Zwischen Sonntagsaufschlag, Backstube und Radiomikrofon

Liebe Innungsbäcker,

manchmal braucht es gar kein großes Grundsatzpapier, um zu merken, was unser Bäckerhandwerk gerade bewegt. Es reicht ein Preisschild am Sonntag, ein Gerstenbrot mit prominenter Besucherin oder ein offenes Radiomikrofon.

Der Sonntagsaufschlag hat in den vergangenen Tagen ordentlich Aufmerksamkeit bekommen. Und wieder zeigt sich: Was im betrieblichen Alltag völlig nachvollziehbar ist, kann plötzlich zur rechtlichen Frage werden. Genau da sind wir als Verband gefragt. Wir schauen hin, fragen nach und setzen uns dafür ein, dass bei allen Regeln eines nicht verloren geht: der gesunde Menschenverstand.

Ganz anders, aber mindestens genauso spannend, war der Besuch unserer Brotbotschafterin Dr. Katarina Barley bei Celestina Brandt. Gerste vom Feld, Mehl aus der regionalen Mühle und am Ende ein Brot aus der Backstube – Regionalität kann so einfach und so überzeugend sein. Vor allem dann, wenn Landwirt, Müller und Bäcker nicht nur nebeneinander arbeiten, sondern miteinander.

Auch bei „5000 Brote – Konfis backen Brot für die Welt“ geht es um genau dieses Miteinander. Junge Menschen kommen in unsere Backstuben, lernen das Handwerk kennen und erleben, dass Brot eben nicht einfach „da ist“. Vielleicht bleibt bei dem einen oder anderen sogar ein Funke hängen. Allein dafür lohnt sich die Aktion.

Mein persönliches Highlight der vergangenen Tage war aber tatsächlich: live im Radio. Eine Stunde „Dienstags Direkt“ beim MDR – über Ernährung, Arbeit, Veränderungen im Handwerk und darüber, was unsere Bäcker heute leisten. Ich gebe zu: Vor einem offenen Mikrofon ist die Spannung noch einmal eine andere. Aber genau diese Bühne brauchen wir. Denn wenn über unser Handwerk gesprochen wird, sollten auch diejenigen zu Wort kommen, die es jeden Tag leben.

Dass mit Matthias Brade direkt ein Bäcker aus seinem Betrieb zugeschaltet wurde, hat für mich den Kreis geschlossen. Genau das ist Interessenvertretung: nah an den Betrieben, nah an den Menschen und mit einer klaren Stimme für das Bäckerhandwerk.

Herzlichst
Ihre Manuela Lohse
Geschäftsführerin Mitteldeutscher Bäckerinnungsverband

News

Der Fall im Erzgebirge zeigt: Nicht der höhere Sonntagspreis ist das Problem, sondern eine unklare Preisauszeichnung.
Sonntags teurer? Ja – aber bitte klar ausgezeichnet

Die „Freie Presse“ berichtete über eine Bäckerei im Erzgebirge, die sonntags einen Aufschlag von 20 Prozent verlangt. Die zuständige Behörde prüft derzeit die Preisauszeichnung. Dabei geht es nicht darum, ob ein Betrieb sonntags höhere Preise verlangen darf – das ist grundsätzlich möglich. Entscheidend ist, dass für den Kunden der tatsächlich zu zahlende Endpreis klar und eindeutig erkennbar ist.

Die Preisangabenverordnung gilt dabei in Sachsen und Thüringen gleichermaßen. In der Praxis setzen einige Bäckereien deshalb sonntags andersfarbige Preisschilder ein. So sind die Sonntagspreise für Kunden und Mitarbeiter sofort zu erkennen. Noch einfacher wird die Umstellung mit digitalen Preisschildern. Der MBV setzt sich dafür ein, dass auch kleinere Bäckereien bei solchen Investitionen stärker von Digitalisierungsförderung profitieren können.

Bei dem aktuell betroffenen Betrieb handelt es sich nicht um einen Innungsbäcker. Positiv ist die Reaktion der zuständigen Behörde: Sie hat deutlich gemacht, dass hinter Fehlern bei der Preisauszeichnung oftmals keine Absicht steckt. Genau dieses Augenmaß wünschen wir uns im Umgang mit den Betrieben.

Unser Praxistipp: Wer sonntags andere Preise verlangt, sollte direkt den vollständigen Sonntagspreis auszeichnen – statt lediglich einen prozentualen Aufschlag anzukündigen.

Bild: Pixabay PIRO4D

Aus dem Verband

Barley vor dem OfenBarley im Cafe
Celestina Brandt macht aus „Barley“ ein Gerstenbrot – und zeigt, wie regionale Zusammenarbeit funktioniert
Barley heißt Gerste – also backen wir ein Brot!

Barley heißt Gerste. Mehr brauchte Innungsbäckerin Celestina Brandt eigentlich nicht für eine richtig gute Idee: Wenn Brot-Botschafterin Katarina Barley nach Buttstädt kommt, dann bekommt sie natürlich ihr eigenes Barley-Brot.

Doch Celestina wäre nicht Celestina, wenn es einfach nur irgendein Gerstenbrot geworden wäre. Sie holte die Region mit ins Boot: Landwirt Lars Fliege aus Pfiffelbach baute die Gerste an, in der Ingerslebener Mühle Zitzmann wurde sie gemahlen und in Buttstädt schließlich gemeinsam gebacken. Innungsbäcker-Kollege Matthias Bergmann war ebenfalls dabei.

Und das ist bei Celestina Brandt keine Eintagsfliege. Erst vor wenigen Wochen hatte sie gemeinsam mit Landwirt und Brauer zu einer After-Work-Party direkt aufs Feld eingeladen. Rund 200 Gäste kamen, erlebten Landwirtschaft und Lebensmittelhandwerk dort, wo regionale Wertschöpfung beginnt – und waren begeistert. 

Und Katarina Barley? Die stand nicht nur daneben. Sie packte mit an, wirkte ihr Brot und schnitt vor dem Ofen natürlich ein großes „B“ hinein.

Zwischen Mehl, Teig und Backofen wurde aber auch Klartext geredet: über Dauerbeköderung, Verpackungsverordnung und darüber, warum kleine und mittelständische Bäckereien andere Bedingungen brauchen als Großkonzerne.

Am Ende kam mehr als ein Brot aus dem Ofen: Am Ende stand ein starkes Bild dafür, was entsteht, wenn Landwirtschaft, Mühle, Bäckerhandwerk und Politik miteinander ins Gespräch kommen.

Bilder: Celestina Brandt

Aktion startet am 23. September in Altmittweida – weitere Bäckereien können noch mitmachen
5.000 Brote: Konfis kommen in die Backstube

Mit dem Erntedankfest startet in Sachsen wieder die Aktion „5.000 Brote – Konfis backen Brot für die Welt“. Den Auftakt gibt es am 23. September 2026 um 16.30 Uhr in der Bäckerei Michael Paulig in Altmittweida. Gemeinsam mit einer Konfirmandengruppe wird dort gebacken und damit die diesjährige Aktion offiziell eröffnet.

Die Idee dahinter: Bäckereien öffnen ihre Backstuben für junge Menschen, geben Einblicke in unser Handwerk und backen gemeinsam Brot. Die Brote werden anschließend gegen Spenden für Projekte von „Brot für die Welt“ abgegeben.

Sie möchten mit Ihrer Bäckerei noch dabei sein? Sehr gern! Falls Sie Interesse haben, aber noch keinen Kontakt zu einer Kirchgemeinde oder Konfirmandengruppe haben, melden Sie sich einfach bei uns in der Geschäftsstelle. Wir unterstützen gern bei der Vermittlung.

Weitere Informationen zur Aktion gibt es unter:

https://www.brot-fuer-die-welt.de/gemeinden/jugend-konfirmanden/5000-brote/

Bild: MBV Eröffnung 2024 Bäckerei Wetzel, Zwönitz
 

Manuela Lohse, Rico Uhlig vor BI FahneRico Uhlig und Josephine Jachmann
Rico Uhlig bleibt Obermeister, Josephine Jachmann kommt neu in die Innung – und am Wochenende zeigen die Dresdner Innungsbäcker auf dem Altmarkt, was die Brot-Profis können.
Bewährte Spitze, neuer Schwung: Dresdner Bäckerinnung bleibt in Bewegung

Ein bisschen wie früher: Zur Mitgliederversammlung traf sich die Bäckerinnung Dresden im Brauhaus Watzke – eine kleine Hommage an die Altvorderen des Dresdner Bäckerhandwerks. An der Spitze setzt die Innung auf Kontinuität: Rico Uhlig wurde erneut zum Obermeister gewählt.

Ein schönes Zeichen für die Zukunft setzte die Begrüßung von Josephine Jachmann als neuem Innungsmitglied und die Verabschiedung von Andreas Schnabel. Beide zeigen, wie Betriebsübergabe gelingen kann. Seit dem 12. Maiverwirklicht Josephine Jachmann in den Räumen der ehemaligen Bäckerei Schnabel ihren Traum von der eigenen kleinen Bäckerei und Konditorei.

Und schon steht der nächste gemeinsame Termin an: Beim Dresdner Brotmarkt am 12. und 13. September auf dem Altmarkt präsentieren die Innungsbäcker ihre Spezialitäten. Besonderheit in diesem Jahr: Jeder Bäcker bringt seine eigene Variante eines Kümmelbrotes mit. Am Sonnabend findet von 10 bis 15 Uhr die öffentliche Brot- und Brötchenprüfung statt. Radio Dresden berichtet live, unterstützt wird der Brotmarkt durch den Freistaat Sachsen. Organisiert wird der Auftritt durch die Geschäftsführung in der Hohen Straße.

So zeigt die Dresdner Bäckerinnung, was lebendiges Innungsleben ausmacht: Tradition bewahren, Nachwuchs unterstützen und gemeinsam sichtbar sein.

Bilder: MBV Manuela Lohse

MBV-Geschäftsführerin Manuela Lohse vertritt das Bäckerhandwerk in der MDR-Radiosendung „Dienstags direkt“.
Stillstand? Nicht mit unseren Bäckern!

Wie bleiben wir länger fit und gesund – und was braucht es, damit Menschen auch lange gut in ihrem Beruf arbeiten können? Darüber diskutierte MBV-Geschäftsführerin Manuela Lohse in der MDR-Radiosendung „Dienstags direkt“ mit Moderatorin Sina Peschke und weiteren Gästen.

Für Lohse war wichtig zu zeigen: Das Bäckerhandwerk entwickelt sich weiter. Moderne Technik erleichtert körperlich schwere Arbeit, Arbeitsabläufe verändern sich und unsere Betriebe beschäftigen sich längst damit, wie sie gute Arbeitsbedingungen schaffen und Mitarbeiter langfristig im Beruf halten können.

Wie das ganz konkret aussehen kann, kam direkt aus der Praxis: Innungsbäcker Matthias Brade wurde während der Sendung angerufen und berichtete aus seinem Betrieb. Damit bekam das Bäckerhandwerk nicht nur eine Stimme im Studio, sondern auch aus der Backstube.

Auch Ausbildung und Zusammenarbeit verändern sich. Junge Menschen bringen neue Erwartungen und Ideen mit, erfahrene Mitarbeiter ihr Wissen und ihre Routine. Beides zusammenzubringen, gehört zu einem modernen Handwerksbetrieb.

„Unsere Bäcker stehen nicht still. Sie investieren, probieren Neues aus und suchen Lösungen, die zu ihren Mitarbeitern und ihren Betrieben passen“, so Manuela Lohse. „Genau diese Perspektive möchte ich in solchen Diskussionen vertreten.“

Tradition bewahren und gleichzeitig am Puls der Zeit bleiben – genau das kann Handwerk.

Die MDR-Radiosendung „Dienstags direkt“ zum Nachhören:

https://www.mdr.de/sachsenradio/podcast/dienstags#items

Bild: MBV, Manuela Lohse

Handwerk

Wenige Minuten investieren – und die Entwicklung praxisnah mitgestalten.
Jetzt mitmachen: Robotik fürs Bäckerhandwerk

Nach den Workshops in Chemnitz geht die Branchenstudie in die nächste Runde – mit einer kurzen Umfrage für Bäckereien.

Die Entwicklung möglicher Robotiklösungen für das Bäckerhandwerk wird Schritt für Schritt konkreter. Beim bereits stattgefundenen Kooperationsworkshop am Fraunhofer IWU in Chemnitz wurden gemeinsam mit Bäckern, Ausrüstern und weiteren Fachleuten konkrete Anwendungsfälle diskutiert und weiterentwickelt – etwa für das Bewegen von Blechen und Behältern, das Bearbeiten und Dekorieren von Produkten oder das Verpacken.

Ein weiterer Workshop ist bereits geplant. Zuvor wollen HHL Leipzig Graduate School of Management, Fraunhofer IWU und Westsächsische Hochschule Zwickau die bisherigen Erkenntnisse auf eine breitere Basis stellen. Dafür braucht es möglichst viele Stimmen aus den Betrieben.

Wo würde Robotik Sie tatsächlich entlasten? Welche Tätigkeiten kosten besonders viel Zeit? Und was muss eine Lösung können, damit sie für Ihre Bäckerei interessant und wirtschaftlich sinnvoll ist?

Die Umfrage dauert nur wenige Minuten. Bitte beteiligen Sie sich – Ihre Praxiserfahrung hilft dabei, dass die Entwicklung nah an dem bleibt, was das Bäckerhandwerk wirklich braucht.

Hier geht es direkt zur Umfrage:
https://survey.hhl.de/index.php/299311?lang=de

Bild: Pixabay PIRO4D

Veranstaltungen

Pro-Regio-Fachforum am 29. September: Bäckerhandwerk trifft Landwirtschaft, Gastronomie und Handel
Regional denken, neue Partner finden

Wie können regionale Wertschöpfungsketten tatsächlich funktionieren – und wie kann das Bäckerhandwerk davon profitieren? Darum geht es beim Fachforum „Regionale Wertschöpfung: Fokus Schwein und Brot“ am 29. September 2026 im Erlebnishotel Schiffsmühle in Grimma-Höfgen.

Das Fachforum ist der Auftakt von insgesamt acht regionalen Veranstaltungen von Pro-Regio Sachsen. In Grimma stehen Brot und Fleisch im Mittelpunkt. Landwirtschaft, Bäcker- und Fleischerhandwerk, Verarbeitung, Handel, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung kommen miteinander ins Gespräch. Dabei soll es ganz konkret um neue regionale Lieferbeziehungen, Vermarktungsmöglichkeiten und wirtschaftlich tragfähige Kooperationen gehen.

Für das Bäckerhandwerk wird Landesinnungsmeister Stefan Richter einen Impuls geben und unsere Interessen in der anschließenden Diskussion vertreten. Auch Geschäftsführerin Manuela Lohse wird vor Ort sein.

Unser Tipp: Wenn Sie regionale Rohstoffe nutzen, neue Partner kennenlernen oder einfach hören möchten, welche Möglichkeiten sich entlang der regionalen Wertschöpfungskette ergeben, nutzen Sie die Gelegenheit und kommen Sie dazu.

29. September 2026, ab 8.30 Uhr
Erlebnishotel Schiffsmühle, Grimma-Höfgen
Schwerpunkt: Schwein und Brot
Austausch mit Erzeugern, Lebensmittelhandwerk, Gastronomie, Handel und regionalen Partnern

Anmeldung:
https://eveeno.com/ProRegio_Fachforum_29_09

Bild: Pro-Regio Sachsen

Mitteldeutscher Bäckerinnungsverband
Mitteldeutscher Bäckerinnungsverband
Hohe Straße 22 · 01069 Dresden · Tel. 0351 8991170 · Fax 0351 8991176
info@baecker-mbv.de · www.baecker-mbv.de

Verantwortlich i.S.v. § 6 MDStV:
Landesinnungsmeister Stefan Richter
Geschäftsführerin Manuela Lohse

Hinweise zum Datenschutz und zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie auf unserer Homepage: www.baecker-mbv.de