Bäckerbrief
08/2026

Manuela Lohse

Editorial

Zwischen Brüssel und Shanghai

Liebe Bäckerinnen und Bäcker,

die neue EU-Verpackungsverordnung zeigt gerade sehr deutlich, wie kompliziert europäische Regelungen im Betriebsalltag werden können. Wer verpackte Ware direkt in andere EU-Staaten verschickt, muss sich mit nationalen Registrierungen und teils auch mit Bevollmächtigten beschäftigen. Gerade bei kleinen Versandmengen oder saisonalen Produkten wie Stollen können Aufwand und Kosten schnell in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zum Umsatz stehen.

Gleichzeitig bittet die EU-Kommission Betriebe jetzt um direktes Feedback über ihre Beteiligungsplattform. Das finde ich grundsätzlich richtig – und trotzdem hinterfrage ich den Prozess. Wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt, um die Praxis einzubeziehen? Muss eine Regelung erst gelten, bevor sichtbar wird, wo sie Probleme verursacht? Und wie fügt sich diese direkte Beteiligung in die Arbeit der Berufsverbände ein, die genau solche Erfahrungen seit Jahren bündeln und weitertragen?

Diese Fragen dürfen uns aber nicht davon abhalten, die Möglichkeit jetzt zu nutzen. Bitte beteiligen Sie sich und schildern Sie möglichst konkret, was die Regelung für Ihren Betrieb bedeutet. Je mehr echte Erfahrungen aus den Bäckereien dort ankommen, desto deutlicher wird, wo in der Praxis nachgebessert werden muss.

Von Brüssel geht der Blick in diesem Bäckerbrief weiter bis nach Shanghai. Dort wird Tobias Miklos bei den WorldSkills das deutsche Bäckerhandwerk vertreten. Tobias hat erst vor wenigen Wochen seinen Meisterkurs M62 an unserer Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Sachsen abgeschlossen.

Mit Shanghai verbinde ich selbst eine besondere Erinnerung. 2018 durfte ich dort eine chinesische Fachschule besuchen und ihre Direktorin kennenlernen. Sie hatte bereits viele Teilnehmer auf internationale Wettbewerbe vorbereitet und war mit Medaillen hochdekoriert. Als ich ihr Fotos von Backwaren aus unserer ADB Sachsen zeigte, änderte sich unser Gespräch sofort. Sie schaute genauer hin, fragte nach und erkannte auf den Bildern die Qualität, die bei uns unterrichtet wird.

Fachleute erkennen Qualität.

Umso mehr freue ich mich, dass nun ein Absolvent unserer Akademie in Shanghai antritt. Lieber Tobias, wir drücken Dir die Daumen – und sind stolz, dass Du unser Bäckerhandwerk dort vertrittst.

Ihre
Manuela Lohse

News

Bis 10. September können Bäckereien der EU-Kommission direkt sagen, wo die neue Verpackungsverordnung in der Praxis Probleme macht.
Jetzt mitmachen: Ihre Stimme für praxistaugliche EU-Verpackungsregeln

Seit dem 12. August 2026 wird die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) angewendet. Sie bringt neue Vorgaben zur Registrierung und zur erweiterten Herstellerverantwortung für Verpackungen mit sich. Gerade für kleinere Betriebe und Bäckereien mit Versandgeschäft können daraus erhebliche zusätzliche Pflichten, Kosten und bürokratische Hürden entstehen.

Jetzt gibt es die Möglichkeit, selbst Einfluss zu nehmen.

Bis zum 10. September 2026 läuft eine Konsultation der EU-Kommission zu den künftigen Vorschriften für die nationalen Herstellerregister. Betriebe können dort unmittelbar schildern, welche Belastungen die Regelungen in der Praxis verursachen und wo Erleichterungen notwendig sind.

Wir bitten unsere Innungsbäcker ausdrücklich: Machen Sie mit!

Besonders wertvoll sind konkrete Beispiele aus Ihrem Betrieb: zusätzlicher Verwaltungsaufwand, Kosten, Probleme beim Versand in andere EU-Staaten oder Anforderungen, die bei kleinen Versandmengen in keinem vernünftigen Verhältnis zum Umsatz stehen.

So können Sie sich beteiligen:

Bitte schicken Sie uns eine Kopie Ihrer Rückmeldung. Wir bündeln die Hinweise aus den Thüringer und sächsischen Bäckereien und leiten das Feedback an die Handwerkstage weiter. Darüber hinaus wollen wir die Rückmeldungen – geclustert und anonymisiert – für unsere direkte politische Kommunikation mit den sächsischen und thüringer Abgeordneten im Europäischen Parlament nutzen.

So können wir nicht nur allgemein über Bürokratie sprechen, sondern mit konkreten Beispielen aus den Betrieben zeigen, wo die neuen Vorgaben in der Praxis Probleme verursachen.

Je mehr Bäckereien sich beteiligen, desto stärker ist unsere gemeinsame Stimme in Brüssel. 

Bild: Pixabay Siala

Die Kritik an der EU-Verpackungsverordnung ist in der Politik angekommen.
Connemann macht Druck

Gitta Connemann, Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung und frühere Botschafterin des Deutschen Brotes, hat die Belastungen für kleine und mittlere Unternehmen in dieser Woche öffentlich deutlich angesprochen.

Ihr Fokus: Regelungen dürfen nicht dazu führen, dass kleine Unternehmen wegen unverhältnismäßiger Kosten und Bürokratie auf Geschäfte im europäischen Binnenmarkt verzichten müssen. Gerade die neue Bevollmächtigtenpflicht beim Versand in andere EU-Staaten zeigt, wie schnell das passieren kann. In der Presse werden inzwischen erste Fälle von Unternehmen bekannt, die Lieferungen in einzelne EU-Länder einstellen.

Dass Gitta Connemann dieses Thema so klar aufgreift, ist auch für das Bäckerhandwerk wichtig. Sie kennt unsere klein- und mittelständischen Strukturen gut – und weiß aus ihrer Zeit als Brotbotschafterin, wie unsere Betriebe arbeiten.

Bild: © Tom Peschel

Zentralverband bringt Bäckerposition nach Berlin und Brüssel

Auch der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hat in dieser Woche reagiert. In Schreiben an Bundesumweltminister Carsten Schneider und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen macht der ZV die Probleme aus den Bäckereien deutlich.
Der Zentralverband fordert eine sofortige Aussetzung der PPWR, mindestens aber eine Verschiebung wesentlicher Pflichten um zwei Jahre. Die Zeit soll genutzt werden, um unklare Regelungen unter Beteiligung der Wirtschaftsverbände praxistauglich zu überarbeiten. Ausdrücklich angesprochen werden die Bevollmächtigtenpflicht beim EU-Versand und die offenen Fragen bei bedruckten Verpackungen mit eigenem Logo.

Der MBV unterstützt dieses Vorgehen. Wichtig bleibt zugleich, dass konkrete Erfahrungen unserer Innungsbäcker in die weitere Diskussion einfließen.

Aus dem Verband

Ein junger sächsischer Bäckermeister vertritt Deutschland auf der ganz großen Bühne des Handwerks.
Von Sachsen nach Shanghai: Tobias Miklos bei den WorldSkills 

Darauf dürfen wir ein bisschen stolz sein: Tobias Karl Miklos aus Chemnitz fährt für Deutschland zu den WorldSkills 2026 nach Shanghai. Vom 22. bis 27. September treffen dort mehr als 1.400 junge Fachkräfte aus über 70 Ländern und Regionen aufeinander. Tobias tritt für das deutsche Team im Bäckerhandwerk an. 

Für uns ist seine Teilnahme etwas ganz Besonderes: Tobias war Absolvent unseres Meisterkurses M62 an der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Sachsen, der erst vor wenigen Wochen zu Ende gegangen ist. Gerade noch Meisterkurs – jetzt Weltmeisterschaft der Berufe. Schöner kann man kaum zeigen, wohin Begeisterung, Können und der Wille, immer weiterzulernen, führen können.

Seine Liebe zum Bäckerhandwerk entdeckte der 22-Jährige übrigens auf einem Bauernhof in Frankreich, wo selbst Getreide vermahlen und mit Sauerteig gebacken wurde. Für Shanghai qualifizierte er sich mit dem dritten Platz bei den Deutschen Meisterschaften der Bäckerjugend 2025. Aktuell bereitet er sich an der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Weinheim auf den internationalen Wettbewerb vor. 

Besonders sympathisch: Tobias geht es nicht nur um eine Platzierung. Er möchte dazulernen, Menschen kennenlernen und zeigen, wie anspruchsvoll, kreativ und vielseitig unser Bäckerhandwerk ist. Genau dafür ist er ein großartiger Botschafter.

Lieber Tobias, das mitteldeutsche Bäckerhandwerk drückt Dir die Daumen für Shanghai. Wir sind stolz, dass ein sächsischer Bäckermeister Deutschland bei den WorldSkills vertritt!

Noch mehr über Tobias und seiner Motivation für das Bäckerhandwerk und die World Skills finden Sie hier:

https://worldskillsgermany.com/wp-content/uploads/2026/06/Tobias-Karl-Miklos-WorldSkills-Shanghai-2026-WorldSkills-Germany.pdf

Bild: ADB Sachen e.V.

Wenn aus Keksen 5.000 Euro Hilfe werden
Kexerei übergibt Spendenscheck an Roland Kaiser

Gute Ideen, ein bisschen Mut, Dinge anders zu machen – und dabei auch noch Gutes tun: Unser Dresdner Innungsbetrieb Kexerei zeigt einmal mehr, wie das zusammenpasst.

Inhaber Matthias Walther übergab jetzt einen Spendenscheck über 5.000 Euro an Roland Kaiser zugunsten der Rudolf Pichlmayr-Stiftung. Die persönliche Verbindung zu Roland Kaiser besteht schon seit 2019. "Wir lieben seine Musik und er ist sehr natürlich", so Matthias Walther. Weiter verät Matthias, dass Roland Kaiser das Bäckerhandwerk sehr achtet und auch gern Kekse nascht. 

Und Roland Kaiser ist in Dresden ohnehin weit mehr als nur ein Prominenter. Wenn bei den Filmnächten am Elbufer die Kaisermania startet, ist Ausnahmezustand: Zwei Wochenenden sind Jahr für Jahr ausgebucht, tausende Fans wollen ihn live erleben. 

Wer die Kexerei kennt, weiß aber auch: Einfach nur Kekse backen und verkaufen wäre Matthias Walther vermutlich zu wenig. Mit ungewöhnlichen Produkten, pfiffigem Marketing und immer neuen Aktionen schafft er es regelmäßig, Aufmerksamkeit für seine Kekse also auch unser Bäckerhandwerk zu erzeugen – und diesmal eben auch für einen guten Zweck.

5.000 Euro, die helfen, und eine Aktion, die zeigt, was Innungsbäcker bewegen können. Dafür ein herzliches Dankeschön und große Anerkennung an Matthias Walther und das gesamte Team der Kexerei!

Und sonst noch

Gefüllt, gequetscht, gekreuzt – was man einem Klassiker heute alles antut
Das Croissant kann nichts dafür

Es hatte eigentlich alles, was ein gutes Gebäck braucht: Butter, feine Schichten, eine knusprige Kruste – und einen ziemlich guten Ruf. Doch dann entdeckte Social Media das Croissant.

Seitdem wird gefüllt, gerollt, zerdrückt und kombiniert, was das Zeug hält. Aus dem Croissant wurde der runde New York Roll, dann kam der Crookie – halb Croissant, halb Cookie. Wer dachte, damit sei die Spitze erreicht, lernte das Flat Croissant kennen: Das schöne Blätterteiggebäck wird kurzerhand plattgedrückt und anschließend möglichst fotogen verziert.

Natürlich geht noch mehr. Döner-Croissant? Gab es schon. Croissant mit Eis? Ebenfalls. Die wichtigste Zutat scheint inzwischen manchmal nicht mehr Butter zu sein, sondern die Frage: Sieht es beim Aufschneiden gut auf Instagram und TikTok aus?

Man könnte fast meinen, das Croissant sei kein Gebäck mehr, sondern ein Content-Format.

Für Bäcker ist der ganze Hype trotzdem spannend. Denn er zeigt, wie viel Aufmerksamkeit ein bekanntes Gebäck plötzlich bekommen kann, wenn jemand eine neue Idee daraus macht. Und vielleicht steckt zwischen all den viralen Verrücktheiten ja auch die eine oder andere Inspiration für die eigene Theke.

Nur eines bleibt zum Glück ziemlich unmodern: Ein wirklich gutes Croissant braucht noch immer guten Teig, gute Butter, Zeit – und jemanden, der sein Handwerk versteht.

Das Croissant kann also nichts dafür. Aber es macht erstaunlich viel mit.

Bild: ADB Sachsen e.V.

Mitteldeutscher Bäckerinnungsverband
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Verantwortlich i.S.v. § 6 MDStV:
Landesinnungsmeister Stefan Richter
Geschäftsführerin Manuela Lohse

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