Bäckerbrief
07/2026

Manuela Lohse

Editorial

Was mich freut, was mich umtreibt – und wo wir dranbleiben

Liebe Bäckerinnen und Bäcker,

wenn ich mit Ihnen in den Betrieben spreche, höre ich immer wieder dasselbe: Sie wollen backen, ausbilden, Mitarbeiter führen, Kunden begeistern – und nicht ständig neue Vorgaben verwalten. Genau deshalb beschäftigt mich das Thema Kassen- und Bonpflicht besonders. Neue Regelungen sind in Arbeit, und wir werden sehr genau darauf achten, dass dabei die Realität unserer Bäckereien nicht aus dem Blick gerät. Gemeinsam mit dem Zentralverband bringen wir Ihre Interessen ein und schauen, dass Vereinfachung am Ende auch wirklich Vereinfachung bedeutet.

Gleichzeitig gibt es in diesem Bäckerbrief Themen, die mich daran erinnern, wie viel Herz in unserem Handwerk stecken.

Die Aktion „5.000 Brote – Konfis backen Brot für die Welt“ gehört für mich unbedingt dazu. Seit Jahren öffnen Bäcker ihre Backstuben, nehmen sich Zeit für junge Menschen und zeigen ihnen, was Handwerk, Gemeinschaft und Verantwortung bedeuten. Das ist nicht selbstverständlich. Dafür möchte ich allen, die sich beteiligen, ganz herzlich danken – und ich hoffe sehr, dass wir in diesem Jahr noch weitere Thüringer Bäckereien dafür gewinnen können.

Spannend finde ich auch, wie wir künftig mit dem Wissen umgehen, das in unseren Betrieben steckt. Vieles weiß der Meister, die langjährige Mitarbeiterin oder der Kollege an der Maschine einfach aus Erfahrung. Ein ChatBot als digitales Betriebsgedächtnis kann helfen, genau dieses Wissen festzuhalten und für andere schnell nutzbar zu machen. Für mich ist das keine Technikspielerei, sondern eine ganz praktische Frage: Wie sichern wir das, was unsere Betriebe über Jahre aufgebaut haben?

Und selbst beim Euro können wir diesmal mitreden: Die Europäische Zentralbank fragt die Bürger nach ihrer Meinung zu den neuen Banknoten. Eine seltene Gelegenheit, auf europäischer Ebene ganz unmittelbar mitzubestimmen. Vielleicht schauen Sie sich die Entwürfe an – und geben Ihre Stimme ab.

Was diese Themen verbindet? Für mich ist es die Frage, wie wir unser Handwerk selbst mitgestalten. Politisch, gesellschaftlich und im eigenen Betrieb. Genau dabei wollen wir Sie als Verband unterstützen, Ihre Stimme hörbar machen und gemeinsam mit Ihnen nach vorn schauen.

Danke für Ihr Engagement, Ihre Ausdauer und dafür, dass Sie unsere Innungsgemeinschaft jeden Tag mit Leben füllen.

Herzliche Grüße
Ihre Manuela Lohse
Geschäftsführerin

News

Das Bäckerhandwerk fordert echte Entlastung statt neuer Technik- und Bürokratiepflichten.
Kassenpflicht und Bonpflicht: Neue Regeln geplant – Verbände fordern Nachbesserungen

Das Bundesfinanzministerium legt einen Referentenentwurf vor. Für Bäckereien geht es nicht nur um den Bon, sondern auch um neue Vorgaben für Kassensysteme.

Was ist neu?
Der Entwurf regelt zwei wichtige Bereiche: Die bisherige Papier-Bonpflicht soll ab 1. Januar 2028 durch eine digitale Belegbereitstellungspflicht ersetzt werden. Der Beleg müsste also weiterhin für jeden Verkauf erzeugt und beispielsweise per QR-Code bereitgestellt werden. Einen Papierbeleg kann der Kunde weiterhin verlangen. Eine echte Abschaffung der Bonpflicht, wie im Koalitionsvertrag angekündigt, ist das damit nicht. 

Gleichzeitig soll für Unternehmen mit mehr als 100.000 Euro Jahresgesamtumsatz eine Registrierkassenpflicht eingeführt werden. Wer bisher noch mit einer offenen Ladenkasse arbeitet, müsste grundsätzlich auf ein elektronisches Kassensystem mit TSE umstellen. Nach dem aktuellen Entwurf soll diese Pflicht ab 1. Januar 2028 greifen. 

Für bestimmte Fälle – etwa mobile Verkaufsstellen oder Vertrauenskassen – sind Ausnahmen vorgesehen. Diese sollen jedoch in einer eigenen Verordnung geregelt werden.

Was bedeutet das für meinen Betrieb?
Wer bereits mit einer modernen TSE-Kasse arbeitet, muss deshalb nicht automatisch eine neue Kasse kaufen. Noch offen ist aber, welche technischen Anpassungen für die digitale Belegbereitstellung erforderlich werden und ob bestehende TSE- und Kassensysteme nachgerüstet werden müssen.

Gerade für kleinere Betriebe oder einzelne Verkaufsstellen mit offener Ladenkasse kann die geplante Kassenpflicht dagegen erhebliche Auswirkungen haben. Eine zusätzliche Übergangsfrist für bereits betroffene Betriebe ist im Entwurf bislang nicht vorgesehen.

Was ist jetzt zu tun?
Noch nichts umstellen oder neu kaufen. Es handelt sich um einen Referentenentwurf – das Gesetzgebungsverfahren läuft erst an. Wir empfehlen, insbesondere bei geplanten Investitionen in Kassentechnik die weitere Entwicklung abzuwarten.

Was tun die Bäckerverbände?
Genau hier arbeitet unsere Verbandsstruktur für die Betriebe: Die Innungen bringen die Erfahrungen aus der Praxis ein, der MBV bündelt die Anliegen aus Sachsen und Thüringen und der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks vertritt sie gegenüber Bundesregierung und Bundestag. Über den ZDH erhalten die Forderungen zusätzlich das Gewicht des gesamten Handwerks. Der ZDH fordert bereits seit längerem, die im Koalitionsvertrag versprochene Abschaffung der Bonpflicht tatsächlich umzusetzen.

Der Zentralverband setzt sich aktuell insbesondere für praxistaugliche Übergangsregelungen ein und prüft die noch offenen technischen Fragen – etwa zu bestehenden TSE-Systemen und notwendigen Kassenanpassungen. Gleichzeitig wird das Thema politisch und öffentlich aufgegriffen.

Das ist der konkrete Vorteil der Innungsmitgliedschaft: Nicht jeder Bäcker muss sich selbst mit einem Referentenentwurf aus Berlin auseinandersetzen oder dort allein Gehör verschaffen. Wir bündeln die Fragen der Betriebe, bringen sie gemeinsam auf die politische Ebene und informieren, sobald klar ist, was tatsächlich umgesetzt wird.

Bild: IStock.com Jens Rother

Neue Euro-Banknoten
Die Europäische Zentralbank fragt nach Ihrer Meinung – stimmen Sie jetzt über die neuen Banknoten-Motive ab.
Mitbestimmen, wie der Euro künftig aussieht! 

Mitbestimmung auf höchster Ebene: Die Europäische Zentralbank lässt die Menschen in Europa über das künftige Aussehen unserer Euro-Banknoten abstimmen. Zehn Entwürfe stehen zur Auswahl – so konkret konnten wir beim Erscheinungsbild unseres Bargeldes bisher nicht mitreden.

Zehn Entwürfe stehen zur Wahl: fünf zum Thema „Europäische Kultur“, fünf zu „Flüsse und Vögel“. Die Designs reichen von modern und plakativ bis ruhig und naturverbunden.

Mein Favorit ist noch nicht entschieden: Design F oder Design H?

Bis zum 21. September 2026 kann jeder an der Umfrage teilnehmen. Also: Entwürfe anschauen, Favoriten wählen und abstimmen. Schließlich haben Bäcker und Verkaufsteams die Euro-Scheine täglich in der Hand.

https://www.ecb.europa.eu/euro/banknotes/future_banknotes/html/design-proposals.de.html

Bild: EZB Banknoten-Entwurf Design H - Atelier Goppel Toperngpong

Pilotprojekt soll Prüfungen für kleine und mittlere Unternehmen deutlich beschleunigen
Betriebsprüfung in 90 Tagen? Sachsen testet Express-Verfahren 

Sachsen testet derzeit eine neue „Express-Betriebsprüfung“. Statt durchschnittlich 315 Tagen soll eine steuerliche Betriebsprüfung grundsätzlich innerhalb von 90 Tagen bis zum Prüfungsbericht abgeschlossen werden. Das freiwillige Verfahren läuft zunächst in den Betriebsprüfungsstellen Bautzen, Freiberg, Leipzig I und Plauen. Bei erfolgreichem Verlauf ist ab 2027 eine Ausweitung auf ganz Sachsen geplant.

Voraussetzung ist allerdings auch Tempo auf Seiten des Betriebes: Buchhaltungsdaten müssen frühzeitig bereitgestellt, Rückfragen kurzfristig beantwortet und feste Ansprechpartner benannt werden. Dafür werden die Prüfungsschwerpunkte frühzeitig mitgeteilt und der Ablauf klar vereinbart.

Für Betriebe kann das deutlich mehr Planungssicherheit und weniger monatelange Belastung bedeuten. Wer ein Angebot zur Express-Betriebsprüfung erhält, sollte den Ablauf vorher mit seinem Steuerberater abstimmen.

Quelle: IHK Chemnitz Bild: Pixabay Claudio_Scott

Neue Hinweise zu Social Media und eine aktualisierte Checkliste geben Anlass, die eigene Datenschutzorganisation auf den Prüfstand zu stellen.
Datenschutz 2026: Jetzt einmal prüfen

Datenschutz bleibt ein Thema, das im Alltag schnell mitläuft – und trotzdem regelmäßig überprüft werden sollte. Neue IT-Systeme, KI-Anwendungen, Cloud-Dienste und Social Media bringen immer wieder neue Anforderungen mit sich.

Für unsere Innungen mit eigenen Social-Media-Auftritten ist der aktualisierte Handlungsrahmen des Landesdatenschutzbeauftragten Rheinland-Pfalz interessant. Als Körperschaften des öffentlichen Rechts sollten sie besonders auf Zuständigkeiten, Zugriffsrechte, Datenschutzhinweise und den Umgang mit personenbezogenen Daten achten. Nur wenige Innungen betreiben derzeit eigene Accounts – dort lohnt sich aber ein kurzer Check. Wer hierzu mehr Details wissen möchte, einfach in der Geschäftsstelle anrufen.

Auch für die Bäckereibetriebe ist Datenschutz selbstverständlich ein Dauerthema. Das Deutsche Institut für Interne Revision hat dazu im April 2026 seine Checkliste zur Prüfung der Datenschutzorganisation aktualisiert. Sie kann helfen, bestehende Abläufe und Dokumentationen einmal systematisch zu überprüfen.

Die Liste finden Sie hier:

https://www.diir.de/content/uploads/2026/04/Checkliste-Pruefung-der-Datenschutzorganisation-3.0-April-2026.pdf

Unser Tipp: Nutzen Sie die neuen Hinweise als Anlass für einen Datenschutz-Check 2026. Bei Fragen unterstützt der MBV gemeinsam mit unserer Datenschutzbeauftragten und dem Datenschutzportal.

Bild: Pixabay Elchinator

Aus dem Verband

Eine Auszeichnung für unternehmerischen Mut im Bäckerhandwerk
Bäckerei Claus für DNN-Wirtschaftspreis nominiert

Die Bäckerei Claus aus Coswig gehört zu den zehn Nominierten für den DNN-Wirtschaftspreis „So geht’s aufwärts“ 2026 – eine schöne Anerkennung für die Familie Claus und zugleich für das gesamte Bäckerhandwerk.

Lutz und Steffi Claus haben den Betrieb über Jahrzehnte aufgebaut und mit dem Neubau am Standort Zur Alten Elektrowärme in Neusörnewitz eine mutige und richtungsweisende Entscheidung getroffen. Sohn Lukas Claus führt diesen Weg heute mit neuen Ideen, moderner Technik und viel Unternehmergeist weiter.

Genau solche Entscheidungen prägen unser Bäckerhandwerk in Mitteldeutschland: investieren, Verantwortung für Mitarbeiter übernehmen, den Betrieb weiterentwickeln und dabei das handwerkliche Fundament bewahren. Viele Bäckerfamilien gehen diesen Weg jeden Tag – oft mit großem persönlichem Einsatz und erheblichem unternehmerischem Risiko.

Umso schöner ist es, wenn dieses Engagement öffentlich wahrgenommen wird.

Herzlichen Glückwunsch an Lutz, Steffi und Lukas Claus und das gesamte Team zur Nominierung. Wir drücken für die Entscheidung im Herbst die Daumen!

Bild: Bäckerei Claus

Gemeinsam backen, Gutes tun und jungen Menschen das Bäckerhandwerk zeigen
5.000 Brote: Thüringer Bäckereien sind wieder gefragt

Die Aktion „5.000 Brote – Konfis backen Brot für die Welt“ geht in die nächste Runde. Seit inzwischen zwölf Jahren öffnen Bäckereien ihre Backstuben für Konfirmanden, vermitteln echtes Handwerk und unterstützen zugleich mit den Erlösen Projekte von „Brot für die Welt“.

In Sachsen fällt der offizielle Startschuss in diesem Jahr bei der Bäckerei Paulig in Mittweida. Auch in Thüringen möchten wir noch mehr Innungsbäckereien gewinnen, die diese bewährte Aktion unterstützen.

Die Kernaktionszeit beginnt spätestens zum Erntedankfest am 4. Oktober 2026, grundsätzlich kann die Aktion aber ganzjährig stattfinden. Bäckereien können auf Anfragen örtlicher Kirchgemeinden reagieren – oder selbst den Kontakt suchen. Gerade auch mit Blick auf die Nachwuchsgewinnung bietet sich dabei eine schöne Gelegenheit, Jugendlichen zu zeigen, was unser Handwerk ausmacht.

Wer aus dem Thüringer Raum mitmachen möchte oder Fragen hat:
Dr. Dr. Frank Fehlberg, Evangelische Akademie Thüringen, Tel. 036202 / 984-25 oder natürlich unterstützt auch die MBV-Geschäftsstelle gern bei der Kontaktvermittlung zu Konfirmandengruppen.

Ein herzliches Dankeschön an alle Bäcker, die ihre Backstuben für diese Aktion öffnen und damit seit Jahren Handwerk, Gemeinschaft und soziales Engagement miteinander verbinden.

Bild: Konfirmanden der Eröffnungsaktion in Cunewalde 2025

KI macht Erfahrungswissen für den Betrieb nutzbar.
Wenn der Chatbot den alten Hasen zuhört

Das Projekt der Bäckerei Möbius mit dem Fraunhofer IVV haben wir bereits auf unserer Jahresmitgliederversammlung vorgestellt. Jetzt geht es einen Schritt weiter: Künftig soll ein Chatbot dabei helfen, Erfahrungswissen einfacher und mit deutlich weniger Zeitaufwand in das betriebliche Wiki zu übernehmen.

Genau darin liegt bislang die größte Hürde. Viel wichtiges Wissen steckt in den Köpfen erfahrener Mitarbeiter: Wie wird eine Maschine richtig eingestellt? Was hilft bei einer bestimmten Störung? Woran erkennt man, dass ein Teig anders reagiert als gewohnt? Dieses Wissen aufzuschreiben und zu strukturieren, kostet im Betriebsalltag viel Zeit.

Der neue Ansatz soll es einfacher machen. Der Chatbot stellt gezielt Fragen, nimmt Antworten auf und hilft dabei, sie direkt dem richtigen Thema im Wiki zuzuordnen. Perspektivisch könnten auch Arbeitsabläufe oder Handgriffe per Video erfasst werden. Ziel ist nicht mehr Dokumentation um ihrer selbst willen, sondern eine praktische Hilfe für den Alltag.

Das Thema ist dabei nicht nur für große Bäckereien interessant. Gerade in kleineren Betrieben hängt wichtiges Wissen oft an wenigen Personen. Wenn dieses Wissen leichter gesichert und für Kollegen verfügbar gemacht werden kann, hilft das bei Einarbeitung, Vertretung und beim Erhalt von Erfahrung im Betrieb.

Aus ersten Gesprächen in der MBV-Geschäftsstelle und dem Austausch mit dem Fraunhofer IVV ist Schritt für Schritt ein konkretes Praxisprojekt entstanden. Die Bäckerei Möbius geht nun den nächsten Schritt in der Umsetzung.

Vielleicht ist das auch für andere Betriebe ein Thema. Es muss nicht gleich das große Digitalprojekt sein. Entscheidend ist zunächst die Frage: Welches Wissen darf in meiner Bäckerei nicht verloren gehen?

Wer sich dazu austauschen oder mehr über das Projekt erfahren möchte, kann sich gern in der MBV-Geschäftsstelle melden.

Bild: IStock

Mitteldeutscher Bäckerinnungsverband
Mitteldeutscher Bäckerinnungsverband
Hohe Straße 22 · 01069 Dresden · Tel. 0351 8991170 · Fax 0351 8991176
info@baecker-mbv.de · www.baecker-mbv.de

Verantwortlich i.S.v. § 6 MDStV:
Landesinnungsmeister Stefan Richter
Geschäftsführerin Manuela Lohse

Hinweise zum Datenschutz und zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie auf unserer Homepage: www.baecker-mbv.de